Einige Worte zum Schachsammeln

„...für den Sammler... der Besitz das allertiefste Verhältnis zu Dingen ist, das man überhaupt haben kann: nicht das sie ihm lebendig wären, er selber ist es, der in ihnen wohnt.“ Walter Benjamin

Schachspiele zu sammeln ist kein Teufelswerk. Es ist sogar ausgesprochen einfach. Wir sagen deshalb: Ab dem Besitz von drei Schachspielen kann einer ein Schachsammler sein. Es ist auch nicht nur ein Hobby für Reiche oder einige wenige Auserwählte. Durch ebay sind heutzutage eine Vielzahl unterschiedlicherSchachspiele vielen Menschen leicht zugänglich. Die Preise auch für ältere Schachspiele sind dadurch insgesamt gefallen. Wenn man sich auskennt, kann man hier und da auch mal ein besonderes Schnäppchen machen oder ein Schachspiel, das einem gefällt, preiswert bekommen. Exklusive Schachspiele können dennoch auch weiterhin als Wertanlage angesehen werden.

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Gibt es für den einen nichts Schöneres als Schachspiele mit Mikey-Mouse-Motiven, ist es für den anderen wichtig, besonders alte und wertvolle Spiele zusammenzutragen, viele beginnen mit dem einem oder anderen von einer Urlaubsreise nach Hause mitgebrachten Schachspiel. Auch nach verschiedenen Materialien kann gesammelt werden (z.B. Schachspiele aus Holz, Bein, Elfenbein, Eisen, Bakelit, Bernstein usw.), ebenso nach bestimmten Herstellern (z.B. Zimmermann, Calvert, Jaques, Uhlig, Anri usw.) oder bestimmten Figurenformen (Selenus, Staunton, Regence, Büstenspiele usw.). Manche sammeln auch nach Orten oder Regionen, in denen traditionell die Produktion von Schachspielen zu Hause war oder ist (z.B. London, Erbach, Geisslingen, Dieppe, Erzgebirge, Grödnertal, Oberammergau) oder Schachspiele bestimmter Länder oder Kontinente. Auch ist es möglich, Schachspiele zu bestimmten historischen Anlässen, Perioden oder Umständen zu sammeln (Schlacht bei Waterloo, 1. und  2. Weltkrieg, Schachspiele, die von Soldaten oder Kriegsgefangenen hergestellt worden). Die (Schach-) Sammel- und Sammlerwelt ist bunt und vielfältig, neben dem Großmeister finden sich auch Nichtschachspieler. Ex-Weltmeister Karpov sammelt Schachbriefmarken, auch Yuri Awerbach, der Altmeister des russischen Schachs ist CCI-Mitglied und besucht regelmäßig CCI-Kongresse.

Nicht nur Erwerb und Besitz sondern auch die Auseinandersetzung mit dem Sammelobjekt bereitet vielen Sammlern Freude. Manchmal sind mit den Spielen persönliche Geschichten (eigene oder der Vorbesitzer) verbunden oder man kann etwas über Herkunft, Alter, Hersteller usw. recherchieren und herausfinden. Viele neue Entdeckungen wurden diesbezüglich in den letzten Jahrzehnten durch Schachsammler gemacht, Irrtümer aufgeklärt.

Und das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten ist immer wieder ein eigener Kosmos. Und das wissen nicht nur Schachsammler:  Was gibt es schöneres, als sein Hobby mit anderen zu teilen. Persönliche Begegnungen werden zur Bereicherung mitunter weit über das Schachsammeln hinaus. Daneben hilft das Lernen von anderen Sammlern in vielerlei Beziehung: als Expertise bei Fragen zu einem bestimmten Spiel, bei der Auswahl von Sammelgebieten, zu Fragen der Restauration von Figuren zum kulturgeschichtlichen Hintergründen oder auch mal der wichtige Rat, von einem Spiel die Finger zu lassen.

Wie und was einer sammelt ist also auch bei Schachsammlern je nach gusto sehr unterschiedlich. Manche Sammler trennen sich auch wieder von manchen Stücken, haben eine „rolling collection“. Das hilft bei Platzproblemen. Mancher sammelt deshalb auch Miniatur- oder Reiseschachspiele. Die sind in der Regel klein und handlich und das kann durchaus Diskussionen mit der (ob des Platzproblems) entnervten Partnerin (die meisten Schachsammler sind Männer!) entschärfen.

Die folgende Beschreibung des Sammlertypus geistert schon seit Jahren durch die Szene:

Ein alter Sammler erzählt einem jüngeren: „Wissen Sie, die Welt ist aus meiner Sicht in drei Arten von Menschen eingeteilt: Es gibt die rationalen, die sich an der Realität orientieren, die alles objektiv sehen, für die ist 2 + 2 = 4 fertig, basta! Für die gibt es nichts anderes, daran lassen sie nicht rütteln.

Dann gibt es die Verrückten, die Romantiker, die Künstler und Träumer, Anarchisten, für die steht fest 2 + 2 = 5, wenn´s gut kommt auch 6, aber niemals 4, das ist zu langweilig, zu etabliert, zu mainstream. Die Verrückten verabscheuen die Realisten und umgekehrt und beide sind sich irgendwie unheimlich.

Und dann gibt es arme Leute wie uns, die Sammler, die Zerissenen und Halbverrückten, die beides in sich tragen, die nicht realistisch sein wollen, sich aber das Verrücktsein nicht trauen, die zwar wissen, dass 2 + 2 = 4 ist,  sich aber so sehr wünschen, es möge 5 ergeben.“

In diesem Sinne, werden Sie Mitglied im CCI!

Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit 50,- Euro und enthält die quartalweise Lieferung des „Chess Collector“ (in englischer Sprache), einem mehrseitigen Heft mit interessanten Artikeln, Fotos und Neuigkeiten rund um Schachgeschichte, Schachfiguren u.a. Schachutensilien. Ebenfalls regelmäßig erhalten Sie Informationen und Einladungen zu nationalen und internationalen Kongressen der Schachsammler. Für Mitglieder unter 26 Jahren ist die Mitgliedschaft frei.

Um Mitglied zu werden ist lediglich ein formloser Antrag mit Namen/Adresse notwendig, den Sie an mitglied[at]cci-deutschland.de senden. Alternativ können Sie auch das folgende Formular für die Anmeldung verwenden. 

 

Anmeldeformular